Geimpft, genesen, geschlossen? Die Auswirkungen der Zertifikatspflicht in der Gastronomie

Klaus Haberkern
Oktober 25, 2021

Restaurant oder Kneipe - rein darf nur, wer  nachweislich geimpft, genesen oder getestet ist? Wie wird die Zertifikatspflicht umgesetzt? Was sind die Folgen? Was können Gastronom*innen gegen Umsatzeinbussen tun?

 

Das Zertifikat

Ein COVID-Zertifikat zeigt explizit an, ob eine Person a) 2-fach geimpft, b) genesen oder c) innerhalb der letzten 48 Stunden negativ auf Corona getestet wurde. In Deutschland, Österreich und in der Schweiz gilt seit kurzem für den Besuch aller öffentlich zugänglichen Innenräume eine Zertifikatspflicht.

 

Die Umsetzung: Kontrollen kontrollieren

Die Gastronom*innen sind für die Umsetzung der Zertifikatspflicht verantwortlich. Sie müssen entsprechend bei jedem Gast vor Einlass Zertifikat und Identität kontrollieren. Die Mehrheit der Gastronom*innen setzt die Zertifikatspflicht für Innenräumen strikt um. Zudem steht es ihnen offen, die Regeln auch für den Aussenbereich anzuwenden, was wenige auch tun.

 

An anderen Orten wird hingegen nicht so genau hingeschaut oder bewusst mit dem Verzicht auf die Kontrolle gegen die geltenden Regel protestiert. Einige Restaurants bekunden sogar mit einem violetten Aufkleber am Eingang oder auf einschlägigen Online-Plattformen wie animap.ch den Verzicht auf die Zertifikatspflicht - was freilich auch den Behörden nicht verborgen bleibt. Oder wie es die Winterthurer Polizei gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung formuliert: “Wenn wir einen Betrieb mit violettem Kleber sehen, ist das eine Einladung zum Kontrollieren”.

 

Doch seien wir ehrlich: Eine engmaschige Kontrolle bzw. Durchsetzung der Zertifikatspflicht an den zahlreichen Orten durch die Behörden ist schlicht nicht möglich. Ein gewisse Nachlässigkeit bei der Umsetzung zumindest in Deutschland die Folge. Gemäss einer Umfrage für das Online-Journal Business Insider wurden 40 Prozent der Befragten bei ihrem letzten Restaurant- oder Kneipenbesuch in Deutschland nicht nach dem Zertifikat gefragt. 29 Prozent mussten zwar das Zertifikat, nicht jedoch den Ausweis zeigen. Nur 9 Prozent wurden korrekt kontrolliert. In Deutschland wird die Einhaltung der Regeln wird somit weder von den Betrieben noch den Behörden umfassend kontrolliert und durchgesetzt. Falls doch, werden entsprechend Verstösse aufgedeckt und geahndet. In der Schweiz scheinen die Regeln hingegen strikter befolgt zu werden, was auch an den häufigeren Kontrollen und hören Bussen liegen dürfte. 

 

In der Schweiz drohen den Gastronom*innen bei Missachtung der Regeln Bussen bis zu einer Höhe von CHF 10’000 sowie die Schliessung. Gäste ohne gültiges Zertifikat werden mit 100 Franken geahndet. In Österreich sind es für Gastronom*innen bis zu EUR 3’600, in Deutschland - je nach Bundesland - bis zu mehreren Tausend Euro. In Bayern beispielsweise beläuft sich die Strafe auf 5’000 Euro.

 

Die Akzeptanz

Die Zertifikatspflicht wurde in der Branche mehrheitlich kritisch gesehen. Zumindest war die freiwillige Begrenzung des gastronomischen Angebots auf Personen mit Zertifikat für 97 Prozent der Restaurants kein Thema. Die Zertifikatspflicht wird also bestenfalls als notwendiges Übel zur Vermeidung eines weiteren Teil-Lockdown befürwortet.

 

Branchenverbände wie GastroSuisse und DEHOGA beklagten zum einen den Kontroll-Aufwand. Gastwirt*innen wären keine Grenzbeamt*innen. Zum anderen wurden mit Verweis auf den beträchtlichen Anteil ungeimpfter Personen, die Nichtanerkennung aussereuropäischer Zertifikate sowie kostenpflichtiger Tests von den meisten Mitgliederrestaurants erhebliche Umsatzeinbussen befürchtet. Gemäss Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer rechnete sogar „fast ein Viertel der Betriebe ... mit mindestens einer Halbierung des Umsatzes“.

 

In Deutschland waren Mitte Oktober etwa 35 Prozent der Bevölkerung noch nicht geimpft, in Österreich 38 Prozent, in der Schweiz sogar über 40 Prozent. Zeit- und kostspielige Tests erschweren also über einem Drittel der Bevölkerung den Restaurantbesuch. Viele Gäste dürfte es sogar von Restaurantbesuchen abhalten. Kommt hinzu, dass eine Ablehnung der gegenwärtigen Regelungen immer wieder mit einer Ablehnung aller Tätigkeiten mit Zertifikatspflicht einhergeht. Und schliesslich, das Wetter, so kuschelig auf Terrassen auch nicht mehr.

 

Die Folgen

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In einer Umfrage der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften bewerten fast 60 Prozent der KMU aus Gastronomie und Hotellerie die Auswirkungen als negativ. In einer Befragung der Gastrosuisse-Mitglieder sind es über 70 Prozent. Mehr als 80 Prozent der Gastronom*innen berichten von Umsatzrückgängen, nur bei 3 Prozent sind die Umsätze gestiegen.

 

Auch Auswertungen von Karten- und Mobilzahlungen durch Ökonom*innen der Universität St. Gallen zeigen: Die Umsätzen sind nach der Einführung der Zertifikatspflicht zurückgegangen, allerdings mit 13 Prozent nicht so stark wie die gesamten Umsätze. Doch auch hier gilt: Je höher die Impfquote in einem Kanton, desto geringer der Umsatzrückgang. Während in St. Gallen (Impfquote 46 Prozent) die Kreditkartenzahlungen um 22 Prozent eingebrochen sind, konnten Restaurants in Basel-Stadt (Impfquote von 57 Prozent) den Kreditkartenumsatz sogar leicht steigern.

 

Zudem spielt auch die Lage eine Rolle. Urbane Angebote scheinen deutlich besser zu fahren und verbuchen im Schnitt geringere Umsatzrückgänge als die Gastronomie auf dem Land. Der Zürcher Trendgastronom Michel Péclard verzeichnet seit Einführung der Zertifikatspflicht in seinen 15 Restaurant-Betrieben sogar ein Umsatzplus und wird von Anfragen für Weihnachtstfeiern geradezu überschwemmt, wie er gegenüber Watson berichtet.

 

Die Zertifikatspflicht wirkt sich allerdings auch an anderer Stelle aus: So berichtet ein Drittel der Restaurants in der Gastrosuisse-Umfrage vom Oktober 2021 von einem erheblichen personellen Mehraufwand für die Kontrollen. Zudem gab es bereits bei etwa 40 Prozent der Restaurants kritische Auseinandersetzungen zwischen Mitarbeiter*innen und Gästen.

 

Der Ausblick

Wie sich die Umsätze weiter entwickeln, dürfte von vielen Faktoren abhängen. Spielt das Wetter mit, dann bleiben die Terrassen zumindest vorerst tagsüber noch offen und damit das Restaurant oder Café auch offen für Gäste ohne Zertifikat. Umsatz also. Vorübergehend.


Entscheidender ist die Entwicklung der Impfquoten. Je mehr Personen geimpft sind, umso geringer der Einfluss der Zertifikatspflicht auf die Gastronomie. In der Deutschland, Österreich und der Schweiz ist ein Impfboom nach Einführung der Zertifikatspflicht bislang jedoch ausgeblieben.


Und schliesslich steigen die Fallzahlen wieder. Der Impfschutz lässt bekanntlich nach wenigen Monaten nach. Impfung und Genesung schützen zudem nicht gleichermassen vor allen Varianten. Das Blatt könnte sich also wieder wenden und zu einer strikteren Einhaltung oder gar Verschärfung der Massnahmen führen.

 

Und wie verhält es sich bei dir im Betrieb?

Stimme hier ab und sehe, wie sich die Zertifikatspflicht auf den Umsatz bei anderen Gastronom*innen ausgewirkt hat.

 

Wie hat sich die Zertifikatspflicht auf den Umsatz in deinen Restaurants ausgewirkt?
Der Umsatz ist merklich zurückgegangen.
Der Umsatz hat sich kaum verändert.
Der Umsatz ist merklich gestiegen.
Mein Betrieb ist geschlossen.
 
 
 
 
 
 

 

Was tun?

Wenn die Regeln nicht allseits eingehalten werden und gleichzeitig die Fallzahlen steigen, dann dürfte eher eine Verschärfung als eine Rücknahme der Zertifikatspflicht zu erwarten sein. Gastronom*innen sollten in diesem Fall auf die Einhaltung der Regeln achten und Ansteckungen bestmöglich vermeiden helfen. Die verschiedenen Standpunkte haben ihre Berechtigung. Lösen lassen sich die politische Probleme eigenmächtig im Restaurant jedoch nicht. Und Massnahmen - ob es nun die nach eigener Einschätzung besten sind oder nicht - können nur ihre Wirkung entfalten, wenn sie auch umgesetzt werden.

Solange möglich, und hier dürften sich Investitionen auch lohnen, sollten die Aussenbereiche möglichst lange und auch lange für Personen ohne Zertifikate offen gehalten werden. Einerseits können so Umsatzeinbussen begrenzt oder vermieden werden, andererseits ist das Ansteckungsrisiko im Freien nachweislich deutlich geringer.

Und wie bisher in der Pandemie gilt auch hier: Wenn die Leute nicht zum Essen rein ins Restaurant kommen, dann muss das Essen zu den Leuten raus kommen. Sprich: Take-Away anbieten. Viele Restaurants haben sich in den ersten Wellen damit die Finger verbrannt. In der Zwischenzeit haben viele Betriebe jedoch durchaus positive Erfahrungen mit Take-Away gemacht. Sei es mit frischen, warmen Mahlzeiten oder solchen zum Aufwärmen.

Die L’Osteria-Gruppe konnte während des Lockdowns mit Take-Away sogar 40 Prozent ihres Vor-Corona-Umsatzes erwirtschaften.

Wichtig ist, dass die Gäste über Online- und Offline-Kanäle vom Take-Away-Angebot erfahren. 

 


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